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Südflügel Mittellandkanal

Mit Einigung der Trassenfrage für den Mittellandkanal wurde 1926 in einem Staatsvertrag zwischen dem Deutschen Reich und den Ländern auch der Ausbau der Saale und der Bau des Saale-Elster-Kanals beschlossen.

Am 11. Juli 1933 begannen nun bei Burghausen die Arbeiten am Kanal. Bis zu 2000 Arbeitskräfte, die im Rahmen des Reichsarbeitsdienstes vorwiegend aus Arbeitslosen angeworben wurden, waren an der Baustelle eingesetzt. Im Jahr 1934 war sie eine der größten Baustellen im Deutschen Reich. Es wurde zeitweise in drei Schichten gearbeitet, für die Arbeiten bei Dunkelheit gab es eine spärliche elektrische Beleuchtung. Vom Reichsarbeitsdienst wurden jedoch nicht alle Arbeiten übernommen. Vielmehr wurden nur Baumfällarbeiten, Abtragung von Mutterboden, Schacht- und Erdarbeiten von diesen Arbeitern ausgeführt.

Obwohl der Kanalbau durch einen Staatsvertrag abgesichert war, traten schon bald finanzielle Schwierigkeiten auf. Durch den persönlichen Einsatz vom Leipziger Oberbürgermeister Dr. Carl Goerdeler konnte ein Kredit in Höhe von 3 Mio Reichsmark gewährt werden. Im Jahr 1935 wurden auf gleichem Weg noch einmal Geld bereitgestellt. Die Baufortschritte beim Kanalbau waren sehr unterschiedlich. Da bei Burghausen mit dem Kanalbau (Baulos L-I) begonnen wurde, war der Abschnitt zwischen der Strassenbrücke bei Rückmarsdorf und dem östlichen Sperrtor auch als erster fertig. Während sich dieser östliche Kanalabschnitt im Herbst 1935 schon langsam mit Grundwasser füllte, war man im westlichen Bereich noch beim anlegen der Durchlässe und Düker. Bis 1936 gingen die Arbeiten auch recht zügig voran, niemand zweifelte an einer schnellen und fristgerechten Fertigstellung der mit knapp 19 Kilometer relativ kurzen Wasserstrasse. Der zunehmende, rüstungsbedingte Arbeitskräftemangel konnte durch den Einsatz schwerer Maschinen, wie Eimerkettenbagger und Kratzbänder, kompensiert werden.

Gingen zu Beginn der Bauarbeiten am Kanal die Arbeiten recht zügig voran, so stellten sich ab 1937 schnell Verzögerungen ein. Spätestens bei der Eröffnungsfeier des Mittellandkanals am Schiffshebewerk Magdeburg-Rothensee am 30. Oktober 1938 war für Jeden klar erkennbar, das von der ursprünglich vorgesehenen gleichzeitigen Fertigstellung des Südflügels keine Rede sein konnte. Zwar versicherte der zur Feierstunde anwesende Reichsverkehrsminister Dr. Dorpmüller nochmals, das am Südflügel “zügig weiter gearbeitet wird”. Davon konnte jedoch in Wirklichkeit keine Rede sein. Der Südflügel war längst “ungeliebtes Kind” geworden. Große Rüstungsbetriebe (wie am neuen Stichkanal nach Salzgitter) befanden sich nicht in unmittelbarer Nähe an der Saale oder am Saale-Elster-Kanal. So war die Fertigstellung nicht kriegswichtig und für das NS-Regime uninteressant. Von echtem Engagement am gesamten Projekt konnte schon lange keine Rede mehr sein, (was sich auch in den zehn Jahren Bauzeit wiederspiegelt).

Schließlich wurden nach Verkündung des totalen Krieges am 18. Februar 1943 sämtliche Arbeiten am Saale-Elster-Kanal eingestellt und im Anschluß die Baustellen beräumt.

by Saale-Elster-Kanal Förderverein e.V.