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Die politischen Wende in der DDR brachte zunächst nicht viel Neues für den Saale-Elster-Kanal. Als erst Baumaßnahme wurde die Kanalbrücke Nummer 6 bei Günthersdorf durch einen Neubau ersetzt. Welche Umstände dazu führten, das diese Brücke einen Mittelpfeiler bekommen hat, konnte nicht recherchiert werden. Es muß aber ein "ganz helles Köpfchen" gewesen sein ......
In den Jahren 1992 bzw. 1994 wurden die Kanalbrücken Nummer 11 (bei Burghausen) und Nummer 12 (bei Rückmarsdorf) saniert. Die Autobahnbrücke der BAB 9 wurde nach 2000 durch einen Neubau ersetzt und ist Heute mit über 77 m Stützweite die längst Brücke über den Kanal. Auch die Kanalbrücke Nummer 7 bei Günthersdorf wurde im Jahr 2006 durch einen Neubau an gleicher Stelle ersetzt. Im trockenen Kanalabschnitt wurden die beiden Brücken mit der Nummer 4 und 5 im Frühjahr 2008 ersatzlos vollständig abgebrochen. In der Entlastungsanlage wurden einige technische Veränderungen durchgeführt, welche den Betrieb vereinfachen und dennoch die Funktion erhalten.
Der Saale-Elster-Kanal liegt Heute in der Verwaltung von der WSD Ost Magdeburg; WSA Magdeburg; ABz 5 Merseburg.

Umbenennung

Der Saale-Elster-Kanal wurde mit Wirkung vom 24.03.1999 in Saale-Leipzig-Kanal umbenannt. Er wird Heute in der Liste "Verzeichnis der sonstigen Binnenwasserstraßen des Bundes" unter der laufenden Nummer 6901 geführt.

Dennoch sagen weiterhin fast alle Sachen "Elster-Saale-Kanal" und die Anhaltiner natürlich "Saale-Elster-Kanal". Der offizielle Name "Saale-Leipzig-Kanal" wird in keinster Weise von der Bevölkerung angenommen oder gar im Sprachgebrauch verwendet.

Olympiade

Mit der Bewerbung von Leipzig für die Austragung der Olympischen Spiele 2012 sollten auf dem Saale-Elster-Kanal ein Teil der Wasserwettkämpfe ausgetragen werden. In diesem Zusammenhang wäre eine völlige Umgestaltung des Lindenauer Hafens, die Verbindung zwischen Karl-Heine-Kanal und Hafenbecken als auch der Weiterbau zur Saale möglich gewesen. Mit der Absage wurden alle Pläne natürlich wieder fallen gelassen.

Hafen Leipzig-Lindenau

Obwohl sich am Saale-Elster-Kanal noch nicht viel tut, gibt es im Hafen Lindenau - 70 Jahre nach Baustop - etwas Neues. Seit dem Jahr 2009 werden die Grundstücke beräumt und es wird die Luisenbrücke saniert und umgebaut. Ab 2012 wird dann der eigentliche Durchstich zwischen Karl-Heine-Kanal und Hafenbecken gebaut. Im Anschluß daran soll auch die Verbindung zum Saale-Elster-Kanal hergestellt werden. Was dann noch fehlt, sind die 7,55 Km bis zur Saale.
Die Bilder wurden uns freundlicher Weise von der Stadt Leipzig - Dezernat Stadtentwicklung und Bau - zu Verfügung gestellt, Danke.

Der Kanal und das "Dritte Reich"

Von vielen wird der Saale-Elster-Kanal immer wieder in direkter Verbindung mit dem Dritten Reich gebracht. Dazu hier ein Paar Erklärungen.

Der Bau des Südflügels vom Mittellandkanal (einschließlich Saale-Elster-Kanal) wurde am 26. Juli 1926 per Staatsvertrag beschlossen. Zu diesem Zeitpunkt war das Dritte Reich noch nicht existent, Deutschland wurde von der Reichsregierung der Weimarer Republik regiert. Zuständiger Minister für Verkehr war im Jahr 1926 Rudolf Krohne (Mitglied der DVP).
Baubeginn am Kanal war im Jahr 1933, und die NSDAP, kaum vier Monate an der Macht, haben es geschickt verstanden, das sieben Jahr zuvor beschlossene Bauprojekt "sich einzuverleiben" und als ihre Idee zu verkaufen. Wie es um das wirkliche Interesse am Kanal bestellt war, wurde spätestens ab 1937 sichtbar. Ab diesem Jahr wurden Arbeitskräfte und Baumaterial zum Mittellandkanal und Stichkanal Salzgitter abgezogen. Und schließlich wurde 1943 der Kanalbau als nicht kriegswichtig eingestuft und abgebrochen. Somit verdanken wir den Heute unvollendeten Kanal

a) dem bewusst langsamen Baufortschritt in den Jahren 1933-1935
b) dem Abzug von Baumaterial und Fachkräften zum Mittellandkanal + Stichkanal Salzgitter
c) der schleppenden Bautätigkeit ab Kriegsbeginn 1939
d) der Einstellung aller Arbeiten im Februar 1943

Alle diese Behinderungen sind direkt auf die Verhältnisse und Gegebenheiten im Dritten Reich zurückzuführen. Somit verdanken wir den Kanalbau nicht dem Dritten Reich, wohl aber den Abbruch der Arbeiten.
Von einigen Personen veranstalteter Kult im Sinne von "Gedenken an das Dritte Reich" in direktem Zusammenhang mit dem Saale-Elster-Kanal und seinen Bauwerken sind Geschichtsverfälschend. Wir distanzieren uns ausdrücklich von dieser Verherrlichung.

by Saale-Elster-Kanal Förderverein e.V.