Schottische Kanäle

Eine ähnliche Situation wie zur Zeit am Saale-Elster-Kanal war mitte der 80er Jahre in Schottland gegeben. Dort war der Forth-and-Clyde-Kanal und der Union-Kanal zwar vorhanden, jedoch ungepflegt und teilweise verfüllt, als wilde Deponie genutzt und somit unbefahrbar. Gegen Mitte der 90er Jahre wurde das Potential eines Wasserweges erkannt und im Millenium-Projekt wurden beide Kanäle wieder freigelegt und befahrbar gemacht. Dabei galt es, ähnlich wie in Mitteldeutschland, zahlreiche Probleme zu überwinden. Teilweise mußten Kanalabschnitte sogar neu trassiert, Schleusen sowie Brücken völlig neu gebaut werden.
Von großem Vorteil war jedoch die eindeutige Zuständigkeit in Schottland - Britisch Waterways als Eigentümer und Betreiber sozusagen die alleinige "Hoheitsgewalt" besitzt, und damit wurde vieles einfacher (als in Deutschland). In enger Zusammenarbeit mit den Ortschaften, Countrys und Sponsoren entstand der "Millenium-Link".

Falkirk Wheel

Schon früher befanden sich nahe der Stadt Falkirk insgesammt elf Schleusen, um den Höhenunterschied zwischen den beiden Kanälen zu überwinden. Bei der Schließung der Kanäle in den 70er Jahren wurde diese Schleusentreppe vollständig zurückgebaut bzw. verfüllt. Beim Millenium-Projekt stand also die Überwindung von 35 Meter Höhenunterschied an. Mit dem weltweit einzigen Rotationshebewerk werden hier 25 Meter überwunden. Die restlichen zehn Meter überwinden die Schiffe mittels eine Schleuse am unteren Hebewerksbassin und einer Koppelschleuse am oberen Kanal.

Weitere Fotos finden Sie hier.

Das Hebewerk Falkirk Wheel ist in dieser Region ein absoluter Besuchermagnet. Jährliche über 300.000 Besucher beweisen, das es durchaus möglich ist, mit moderner Architektur Leute zu begeistern. Das besondere in Falkirk ist, das Hier bedeutend mehr Besucher anreisen, um das Hebewerk in Bewegung zu sehen, als es wirklich mit ihrem Boot auf ihrer Reise zu passieren. Dem Rechnung tragend befindet sich im Gebäude ein großer Shop und ein Restaurant.
Allen Skeptikern zum Trotz, die Kosten für den Millenium-Link wurden in nur sieben Jahren zu 200% wieder "eingespielt". Bei einer kalkulierten Betriebszeit von 100 Jahren nicht schlecht ........

Wir flogen mit RAYNAIR von Altenburg nach Edinburg. Nach der ersten kurzen Nacht ging es mit dem Mietwagen auf nach Falkirk. Bei unserem Besuch wurden wir von Herrn Schniegel von Britisch Waterways empfangen und er betreute uns auch bei dem anschließenden Gespräch mit Richard Miller (Marketing Manager bei Britisch Waterways Scotland). Auch bei der anschließenden Führung in die nicht öffentlichen Bereiche stand uns Herr Schniegel als Dolmetscher zu Verfügung. An dieser Stelle einen herzlichen Dank für die Gastfreundschaft und die konstruktiven Gespräche für eine zukünftige Zusammenarbeit und Gedankenaustausch.

Duch die Öffnung der Kanäle wurde die gesamte Region entlang der Wasserstraßen bedeutend aufgewertet. Grundstückspreise sind gestiegen, unter anderem entstanden 1250 neue Häuser entlang der Kanäle. Und selbst in der letzten Krise steigen die Besucherzahlen, da die Einwohner vermehrt Urlaub im eigenen Land machten. Die Royal Bank of Scotland hat sogar eine Banknote mit dem Abbild des Hebewerkes herausgegeben.

Und in Mitteldeutschland

verschlafen wir mit jedem Tag eine vergleichbare Chance.

by Saale-Elster-Kanal Förderverein e.V.